Dienstag, 1. November 2016

Aufstieg in die B-Klasse: UP Lhotse

UP Lhotse
Nach einem guten Jahr unter meinem Skywalk Masala 2, mit vielen schönen Touren und einigen XC-Flügen, reizt mich der Umstieg von einem A- auf einen B-Schirm. Der Masala ist ein vollwertiger, leichter (3.3kg) und sehr sicherer Hike+Fly Schirm mit Spasspotential, was mir fehlt ist mehr Performance, speziell beschleunigt: beim XC-fliegen ist der verbaute Flaschenzug recht anstrengend, und das Sinken nimmt nach Halbgas doch merklich zu.

Der UP Lhotse (die Leichtversion des Kibo) ist auf dem Papier genau der richtige Kandidat für ein Upgrade für mich: mid-B Einstufung, und mit 3.3kg in Grösse M genau das gleiche Gewicht wie mein jetziger Schirm. Ein guter Grund, den Schirm (nach dem Mentor 4 Light) einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Vielen Dank an Annalena von UP für die rasche Organisation eines Demoschirms, so konnte ich das nächste freie Wochenende bei traumhaften Herbstwetter gut nutzen. Insgesamt habe ich mit dem Schirm in Summe ca. 5h airtime genossen: Hangsoaring in Meduno, Thermik am Radsberg, sowie 3 Hike+Fly Touren in Gemona und den heimischen Nockbergen.

Start

Leichtwind-Handling
Gipfelstart am Wöllaner Nock
Der Lhotse ist mit 5,7 deutlich gestreckter als mein Masala und macht dadurch einen deutlich sportlicheren, eleganten Eindruck. Trotzdem ist die Startvorbereitung durch das leichte Tuch nicht anders: Eine leichte Brise genügt, um den Schirm über die A- und C-Leinen sauber auszubreiten. Die gleichfärbigen, unummantelten Leinen brauchen manchmal einen zweiten Blick, aber alles kein Stressfaktor. Konstruktionsbedingt verdreht sich die Bremse gerne mit den hinteren Leinen, auch hier sollte man vor dem Start die korrekte Lage der Bremsleinen noch einmal kontrollieren. Für den Beschleuniger sind hochwertige Rollen verbaut, das macht Hoffnung auf eine leichtgängige Funktion. Die Bremsgriffe sind (halb gewickelt geflogen) nicht wirklich bequem, da gibt es bessere Lösungen.
Mit leichtem Impuls auf den inneren A-Leinen (die äussere Leine ist separiert zum Ohrenanlegen) steigt die Kappe sauber und kann über die Bremsen gut gesteuert werden. Ein wichtiger Punkt für exponierte Alpinstartplätze, so soll es sein! Starkwind-Starts konnte ich keine testen.
Die weichen Stäbchen erlauben auch eine klassische Packmethode ohne Zellenpacksack, für mich sehr sympatisch und gerade am Berg praktisch. Das Packmass ist im Vergleich zu anderen vollwertigen Schirmen dieser Grösse auf der kleineren Seite, in meinem Flex Wendegurtzeug hat der Schirm sauber gepackt problemlos Platz, samt Softshelljacke, Handschuhen und Überhose.



Flug

Soaring-Vergnügen
Im Vergleich zu den anderen Schirmen, die kenne, hat der Lhotse wieder einen eigenen Charakter: Der Schirm lässt sich leicht entweder über die Bremse oder durch Gewichtsverlagerung um die Kurve bringen. Ist einmal der gewünschte Radius erreicht zieht der Lhotse stoisch seine Bahn. Beim Einfliegen in die Thermik zeigt er oft über das Popometer an, in welche Richtung man drehen sollte, sehr praktisch.

Kleine Turbulenzen werden durch rascheln der Ohren angezeigt, ansonsten ist die Kappe sehr stabil, obwohl ich mit ca. 88kg in der Mitte des Gewichtsbereichs von 75-100kg unterwegs war. Während meiner Testzeit hatte ich nur einen einzigen Seitenklapper mit ca. 50%, ohne merkbare Auswirkung auf die Flugrichtung.
Schöne Ausblicke

Die Kappe selbst ist eher weich abgestimmt und arbeitet etwas in sich, vermutlich werden dadurch kleinere Schläge gedämpft und führen in Summe zu einem sehr entspanntem Flugverhalten. Im Vergleich dazu habe ich den Mentor 4 Light deutlich anders in Erinnerung: eine sehr harte, kompakte Kappe, an der oberen Gewichtsgrenze geflogen, ergibt in Summe eine Federung wie in einem Sportwagen. Für die Performance ist das sicher positiv, auf Dauer habe ich aber unter dem Lhotse sicher weniger Stress empfunden.

Die Pitchdämpfung empfinde ich (wie beim Mentor 4) als hoch, ein Aufschaukeln über die Bremsen ist mir nicht wirklich gelungen. Dies scheint ein konstruktives Merkmal zu sein, um in stark thermischen Bedingungen die Tendenz zum Schiessen unter Kontrolle zu halten.

Im Gegensatz dazu ist die Rolldämpfung für mein Empfinden sehr ausgewogen: Wingover bis 90 Grad sind sehr rasch zu erfliegen und machen richtig Spass. Der Masala war für einen A-Schirm hier schon ok, aber mit dem Lhotse geht das noch deutlich einfacher. Trotzdem ist im Normalflug (auch beschleunigt) keinerlei Tendenz zu Pendelbewegungen festzustellen, sehr angenehm.
Die Eintrittskante schnappt nach Luft

Während der Testphase konnte ich einige Toplandungen durchführen, durch die hohe Laufruhe des Schirms war dies von Anfang an ein problemloses Maneuver. Leinen sortiert, aufgezogen, und weiter geht's.

Die grossen Beschleuniger-Rollen zahlen sich aus, auch auf einem Leichtschirm: mit wenig Kraftaufwand ist der Schirm halb- bzw. vollbeschleunigt zu fliegen. Gefühlt ist die Kappe auch voll durchgetreten noch sehr stabil, ob das in heftiger Frühjahrsthermik auch so ist kann ich nicht beurteilen. Der Geschwindigkeitszuwachs ist allerdings etwas geringer als etwa beim Mentor, hier muss man Abstriche machen.

Fazit

Wer so wie ich auf der Suche nach einem leichten Allround-Schirm der B-Klasse ist, sollte den Lhotse auf alle Fälle in Betracht ziehen. Speziell wenn Hike+Fly im Vordergrund steht und auf XC-Flügen Abstriche im Speed erlaubt sind ist der Lhotse mit seiner leichten Bauart und dem problemlosen Handling in Start, Flug und Landung ein stressfreier Begleiter. Und mit 3.3kg in Grösse M ist er meines Wissens momentan (November 2016) neben dem Masala der leichteste vollwertige Schirm am Markt.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen